
Vor 25 Jahren stellte Moguntia auf die grüne Wiese in Kirchbichl das damals modernste Gewürzwerk Europas. Heute arbeiten dort rund 140 Menschen aus vielen Nationen — in einem Familienunternehmen, das per Du ist und in Generationen denkt. Gefeiert wurde das Standortjubiläum mit einem Sommerfest ganz in Weiß. Wir haben mit Geschäftsführer Johannes Tonauer und Standortleiter Max Grevemeyer gesprochen.Ganz in Weiß, die gesamte Mannschaft: So feierte Moguntia sein Standortjubiläum — mit einer White Party beim Sommerfest in Kirchbichl. Weiß passt zum Unternehmen. Denn wer bei Moguntia eine Werksführung mitmacht, wartet vergeblich auf Jutesäcke und Basar-Atmosphäre. „Das ist alles Edelstahl, alles abgeschirmt, höchster Hygienestandard", sagt Johannes Tonauer. Die Gewürze kommen aus der ganzen Welt, lagern in Silos und werden vollautomatisch nach Rezeptur kommissioniert. Roboter fahren durch die Hallen. Rund 3.500 aktive Rezepturen führt das Unternehmen, jedes Jahr kommen tausende Neu- und Weiterentwicklungen dazu.Eine Idee begründet eine BrancheDie Geschichte beginnt 1903 in Mainz. Firmengründer Friedrich Buchholz hatte eine einfache Idee: Statt dass jeder Metzger seine Würste selbst würzt — mal mit mehr Pfeffer, mal mit weniger —, mischte er die Gewürze vor. Fünf Gramm pro Frankfurter Würstel, fertig. Standardisierter Geschmack, effizientere Produktion, mehr Sicherheit. „Damit hat er die ganze Branche begründet", sagt Tonauer. „Die deutschen und österreichischen Gewürzindustrien, die später entstanden sind, bauen auf dieser Basis auf."Nach Tirol kam Moguntia 1955, zunächst an den Bahnhof Kufstein, dann in die Sudetenlandstraße. Als der Standort zu klein wurde, schrieb die Unternehmensgruppe intern einen Standortwettbewerb aus. Kirchbichl gewann: Autobahnanbindung, möglicher Gleisanschluss — und vor allem die Belegschaft, die vom alten Standort mitziehen konnte. „Ganz neu irgendwo anfangen, wo du keine Leute hast — das ist grausam", sagt Tonauer. 2001 ging das neue Werk in Betrieb.Familienunternehmen, kein KonzernAuf einen Begriff reagiert Tonauer empfindlich: Konzern. „Wir agieren zwar oft wie einer, aber wir sind ein Familienunternehmen. Ein Konzern schaut auf Quartalsbilanzen, ein Familienunternehmen denkt in Generationen." Die Eigentümerfamilie Buchholz führt das Unternehmen in vierter Generation und kommt regelmäßig nach Kirchbichl — zu Townhalls, bei denen die gesamte Belegschaft zusammenkommt und jeder jederzeit Fragen stellen kann.Dazu passt: Moguntia ist ein Du-Betrieb. Vom Eigentümer bis zur Produktion sprechen sich alle mit Du an. „Für unsere deutschen Kollegen war das am Anfang schwierig", sagt Tonauer. „Aber sie haben es schätzen gelernt."Rund 140 Menschen arbeiten am Standort, der Großteil in der Produktion. Die Belegschaft ist international. „Wir sind froh über diese Vielfalt", sagt Standortleiter Max Grevemeyer. „Unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Wissensstände — das bereichert uns täglich."Ideen werden belohntAuf einer Skala von eins („keine Leitplanken") bis zehn („komplett durchorganisiert") verortet Tonauer das Unternehmen bei drei. Arbeitszeiten und Homeoffice sind flexibel — überall dort, wo keine Maschine den Takt vorgibt. In der Produktion gilt der Schichtplan, derzeit wird zweischichtig gefahren.Wer eine Idee hat, bringt sie ein: Über den kontinuierlichen Verbesserungsprozess können alle Beschäftigten Vorschläge machen. Ideen mit spürbarem Effekt werden belohnt. „Die Leute sind stolz, wenn ihre Idee umgesetzt wird", sagt Grevemeyer. „Das merkt man."Ausgebildet wird im technischen und kaufmännischen Bereich sowie im Qualitätsmanagement. Grevemeyer selbst ist das beste Beispiel für die Durchlässigkeit im Haus: Nach dem Abitur begann er als Auszubildender bei Moguntia in Deutschland — heute leitet er den Tiroler Standort. „Viele Unternehmen schreiben ‚durchlässige Strukturen' in ihre Stellenausschreibungen. Wir sind das perfekte Beispiel dafür. Viele unserer Führungskräfte sind bei uns ausgebildet worden."Der Kontakt zum Nachwuchs beginnt früh: Schulklassen besuchen das Werk, kreieren eigene Gewürzmischungen und lernen Sensorik — süß, salzig, sauer, bitter, die Chilischärfe hinten, der Pfeffer vorne. „Das begeistert alle, besonders die Jungen", sagt Tonauer.Wachstum mit AnsageDie Moguntia-Gruppe hat sich viel vorgenommen: In den nächsten fünf Jahren soll der Umsatz von rund 200 auf 300 Millionen Euro wachsen. Die Basis dafür liegt in der Diversifizierung. Neben dem klassischen Metzgereigeschäft beliefert Moguntia die Lebensmittelindustrie, produziert Private-Label-Produkte für große Biomarken in ganz Europa und bedient den Foodservice — Suppen und Soßen für Großküchen, Mensen und Krankenhäuser. Der weltweit größte Snackhersteller kauft seine Mischungen in Kirchbichl.Für den Standort heißt das: Zunächst wird die bestehende Kapazität effizienter genutzt. „Und wenn wir eine dritte Schicht brauchen, brauchen wir wieder Leute", sagt Tonauer. „Das wäre der nächste Schritt."Die Beharrlichkeit von 123 Jahren Firmengeschichte, verbunden mit der Neugier eines Innovationsbetriebs — so lässt sich zusammenfassen, was Tonauer zum Jubiläum sagt: „Wir leben das einfach. Es ist eine coole Materie."

Auf einer ehemaligen Industriebrache in Kirchbichl entsteht ein Großprojekt, das den regionalen Arbeitsmarkt nachhaltig prägen wird: Das „HorizonQuarter“ soll in der Endausbaustufe Raum für bis zu 1.000 Arbeitsplätze bieten. Hinter der Investition von über 110 Millionen Euro steht das Tiroler Familienunternehmen Balmung Medical Gruppe. Mit der Fertigstellung der ersten Logistikhalle und dem Baustart des markanten Bürokomplexes rückt das primäre Ziel des Unternehmens näher: Management, Verwaltung und Logistik sollen künftig an einem zentralen Standort verschmelzen.Strategischer Impuls für den WirtschaftsstandortDie massive Zentralisierung stärkt das Tiroler Unterland als Knotenpunkt der Gesundheitsbranche. Für Engelbert Leobacher, geschäftsführender Gesellschafter von Balmung, ist das Projekt ein zentraler Baustein, um „die internationale Expansionsstrategie langfristig zu sichern“. Durch die Zusammenlegung der Kernbereiche verankert das Unternehmen ein logistisches Schwergewicht im internationalen Medizinhandel fest in der Region.Auch von politischer Seite wird diese Entwicklung gestützt: Laut Landeshauptmann Anton Mattle schaffe das Vorhaben „hochwertige und zukunftssichere Arbeitsplätze in der Region“ und stärke Tirol nachhaltig als Life-Science-Standort.Nach Angaben von Balmung fließen neben den reinen Betriebsabläufen auch forschungsnahe Projekte und neue Gesundheitsinitiativen in das Konzept ein. Für den lokalen Arbeitsmarkt bedeutet das eine spürbare Erweiterung: Neben klassischen Lagerberufen entsteht ein breiter Mix aus qualifizierten Positionen in Logistik, Management und Entwicklung.

Was 1976 mit fünf Angestellten in Kufstein begann, ist ein halbes Jahrhundert später zu einem der größten Automobilhändler Österreichs und Süddeutschlands herangewachsen. Mit 27 Standorten, einer erfolgreichen Immobilien-Sparte und 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern feiert die Unterberger Gruppe Jubiläum. Doch wie tickt das wirtschaftliche Schwergewicht als Arbeitgeber? Ein Blick hinter die Kulissen.Wer an Unternehmensgruppen mit über einer halben Milliarde Euro Jahresumsatz denkt, hat oft anonyme Konzernstrukturen vor Augen. Bei der Unterberger Gruppe, die im abgelaufenen Jahr 561 Millionen Euro in den Bereichen Automobile, Immobilien und Beteiligungen erwirtschaftete, geht man bewusst einen anderen Weg. Das Unternehmen wird von den geschäftsführenden Gesellschaftern Gerald, Dieter, Fritz jun. und Florian Unterberger gemeinsam mit Geschäftsführer Josef Gruber operativ geführt – und dieser familiäre Kern soll für die Belegschaft spürbar bleiben.

Die internationale Industrie steht unter Druck – globale Krisen, veränderte Märkte und technologischer Wandel fordern Unternehmen weltweit heraus. Doch anstatt abzuwarten, geht der Gartengeräte-Spezialist STIHL Tirol in Langkampfen aktiv in die Offensive. Mit einem soliden Jahresumsatz im Rücken, einer klaren Fokussierung im Konzern und wegweisenden Investitionen in Automatisierung und regionale Kooperationen zeigt das Vorzeigeunternehmen, wie moderne Standortsicherung in Tirol heute aussieht.Stabilität inmitten globaler MarktdynamikenEin Blick auf die nackten Zahlen verrät: Das Tiroler Unterland verfügt weiterhin über starke wirtschaftliche Leuchttürme. Mit einem Umsatz von 853 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2025 blickt STIHL Tirol auf eine solide Performance zurück. Ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zeigt deutlich, dass die Produkte aus Langkampfen – insbesondere die stark nachgefragten Akku-Technologien wie Rasenmäher und Heckenschneider – im internationalen Premiumsegment hoch im Kurs stehen.Dennoch ordnet das Management diese Zahlen mit dem nötigen Realismus und kaufmännischer Weitsicht ein. Nach intensiven Wachstumsphasen und getrieben durch temporäre Sondereffekte im vergangenen Jahr stellt sich das Unternehmen bewusst auf ein anspruchsvolleres globales Umfeld ein.

In einer Branche, die noch immer von Männern dominiert wird, setzt der Tiroler Generalplaner SPIEGLTEC auf gelebte Chancengleichheit. Zum Internationalen Frauentag zeigt das Unternehmen, wie flexible Arbeitsmodelle und Mentoring mehr Frauen für technische Berufe begeistern – direkt vor der Haustür.„Hier zählt Kompetenz, nicht das Geschlecht“ Magdalena Hohlrieder arbeitet als Process & Mechanical Engineer am Standort Kundl und weiß: „Bei uns entscheidet Engagement, nicht das Geschlecht.“ Sie schätzt besonders die individuellen Arbeitszeiten und Homeoffice-Optionen, die ihr helfen, Beruf und Privatleben zu vereinen. „Als Frau in der Technik braucht es Vorbilder – und genau die finden junge Kolleginnen hier.“Flexibilität macht’s möglich Christine Skrabl, alleinerziehende Mutter und Ingenieurin in Brixlegg, bestätigt: „Ohne flexible Arbeitsmodelle wäre mein Job als Vollzeit-Ingenieurin kaum möglich. Hier kann ich Familie und Karriere unter einen Hut bringen – und das in einem Umfeld, das mich fördert.“Vorbilder schaffen Perspektiven Mit einem Frauenanteil von 22 Prozent liegt SPIEGLTEC über dem Branchendurchschnitt. Doch das Unternehmen will mehr: „Wir setzen auf frühe Förderung, etwa durch Schulkooperationen und den Girls’ Day“*, sagt Geschäftsführer Christian Peintner. Ziel ist es, traditionelle Rollenbilder aufubrechen und Mädchen schon früh für MINT-Berufe zu begeistern.Warum das wichtig ist22 % Frauenanteil – ein guter Start, aber noch ausbaufähig.Flexible Arbeitszeiten und Mentoring stärken langfristige Karrieren.Initiativen wie der Girls’ Day machen Technik für junge Frauen erlebbar.Fazit: SPIEGLTEC beweist, dass Technik auch in Tirol kein Männerberuf sein muss – wenn Vertrauen, Förderung und moderne Arbeitsbedingungen stimmen.